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Konsenstrasse oder Bypass – good bye !

UWIGA hält dieses Projekt für unsinnig.

Der Ausbau der ICE-Schnellverbindungen ist zu begrüßen. Nur so werden wir auch den innerdeutschen Flugverkehr einschränken. Jedoch - die Betonung liegt auf Schnellverbindungen von Metropolen. Bypass - wie ursprünglich die Konsenstrasse richtiger genannt wurde - ist aber eine Umleitung und das Gegenteil einer Schnellverbindung.

Diese Umleitungstrasse, beschönigend Konsenstrasse genannt, wird so nach und nach den Bürgern wie bereits abgesegnet präsentiert. Als ginge es nur noch darum, diese Trasse möglichst natur- und menschenverträglich zu gestalten. Dafür werden verschiedene Beiräte und Gremien eingerichtet, die hierüber befinden sollen.
Auch eine Bürgerbeteiligung wurde versprochen und wird sicher auch realisiert. Dadurch erhält diese Trasse wie selbstverständlich ihre demokratische Legitimität.
Nur wie weit gehen die Kompetenzen dieser Bürger in den Beiräten ?
Rechtlich haben sie Empfehlungscharakter, hie und da wird so manchem Rat gefolgt werden.

Ehe dort über Schall- und Naturschutz und die Ästhetik von Schallschutzwänden nachgedacht wird, muss diese Umleitung insgesamt in ihrer Wirtschaftlich- und Sinnhaftigkeit auch in diesen Beiräten erst hinterfragt werden.
Das muss ohne Denkverbote ergebnisoffen und frei diskutiert werden können.
Derzeit wird geschickt eine richtungsgebende Meinungsmache in den Medien platziert, die diesen offenen Dialog beeinträchtigen könnte - oder gar soll ?

Bevor an dieser in jeder Hinsicht ressourcenverschlingende Streckenführung näher herumgeplant wird, muss noch einmal grundsätzlich unter diesen Umständen über die Notwendigkeit eines ICE-Haltes im HBF Darmstadt ernsthaft nachgedacht werden, jenseits allen Prestigedenkens.

Der Mehdorn-Hoffmann-Kompromiss sieht einen stündlichen Halt je Richtung am
Hauptbahnhof vor. Könnte bei dieser Konstellation nicht auch die Geschäftswelt sich fragen, ob nicht ein zeit- und taktgenauer Anschluss z.B. zum Flughafen für alle dortigen ICE-Halte deutlich die bessere Lösung wäre ? Das könnte z.B. über ein Shuttlesystem oder eine S-Bahn realisiert werden.

Unseres Erachtens legitimiert auch die bestehende Regionalplanung diese „Mischform“ aus ICE-Diretissima und Darmstadtschleife keineswegs.


Nach der Pressekonferenz der Bahn vom 09.05.07 könnte man meinen, die Umleitung durch Darmstadt sei deutlich preiswerter als gedacht zu realisieren.
Folgt man diesen neuen Kostenschätzungen der Bahn - falls solche in die Welt gesetzten ungenauen Zahlen diesen Namen überhaupt verdienen - heißt es hierzu, ein niederer, zweistelliger Millionenbereich sei ausreichend.
Wie hoch ist das? 10 Mio.? 40 Mio.? 70 Mio.? Jedenfalls wohl unter 60 Millionen.

Andererseits beträgt die Umleitungsstrecke ca. 13 km, ein einziger Tunnel-km kostet nach Angaben von TU-Prof. Katzenbach schon ca. 50 Mio. Also wird man sich ausrechnen können, wie viel die Bahn gedenkt in eine Untertunnelung zu investieren.
Bei nur einem km Tunnel wäre der „niedere“ zweistellige Betrag ja schon verbraucht!

Vielleicht ist das aber Kalkül. Wenn die Bahn nur das Notwendigste investiert und den Darmstädtern lediglich Schallwände statt Tunnels anbietet, dürften noch mehr Bürger protestieren.

Dann verschwindet die Konsenstrasse möglicherweise ganz und Mehdorn hat seinen Willen elegant über Bürgerproteste umgesetzt. Wäre das aber so schlimm ?

Als Alternative könnte der Bahnchef für Darmstadt einen kostenlosen Shuttleverkehr zu den ICE-Halten nach Frankfurt einrichten. Bei „nur“ 50 Mio. Investitionssumme und 4 % Zins p.a. ergibt dies für die Bahn einen Zinsbetrag von 2 Mio. jährlich, also ca. 5.500 Euro täglich.

Rein volkswirtschaftlich betrachtet wäre es also deutlich günstiger bei Bedarf einen kostenlosen Shuttleverkehr zwischen Flughafen - Fernbahnhof und Darmstadtium oder Hauptbahnhof anzubieten.

Aber unsere Infrastruktur- und ÖPNV-Planer können - oder dürfen - so nicht denken. ( Weil die Mittel aus ganz verschiedenen Töpfen kommen, unsere Steuergelder aber sind es immer ).

Der durch Bypassverzicht eingesparte Euro-Betrag wäre aber allemal in einem Mehr an Schallschutzmaßnahmen und Tunnels bei der Direktverbindung besser investiert.

Wir von der UWIGA meinen, es ist dringend notwendig, dies alles nochmals gründlich zu überdenken - bevor der Zug abgefahren ist.

23.05.2007